Himalayabewohner entdecken Thüringen

Seit Anfang Februar erkunden vier Himalayabewohner verschiedene Thüringer Regionen. Sonam Dorjay, Thukjay Sonam, Amchi Tashi Puntsog und Kunzang Choton, aus der nordindischen Himalaya-Region mit dem Namen Ladakh, sind zu ihren Freunden nach Meiningen gekommen. Die Delegation folgte der Einladung des Meininger Hilfsvereins „Ladakhpartners Local Doctors e.V.“, der in diesem Jahr sein 15- jähriges Jubiläum feiert. Untergekommen sind die vier Ladakhis bei der Familie Maik Wieczorrek, dem Initiator und Vorsitzenden des Vereins. Seit ihrer Ankunft haben die Ladakhis bereits zahlreiche Orte und Institutionen besucht. Nach einem aufschlussreichen Vortrag in der Meininger Volkshochschule am 04. Februar, über die Geschichte der Hilfe im Himalaya, besuchte die Gruppe die Meininger Regelschule am Pulverrasen, die Landrätin Peggy Greiser, den Thüringer Minister für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, Dieter Lauinger, sowie den Thüringer Landtag. Das Ministerium hatte in den Jahren 2016 und 2018 Lottomittel für Tablets und eine zahnmedizinische Behandlungseinheit bewilligt. Seit 2004 leistet der Meininger Zahnarzt Maik Wieczorrek sowie zahlreiche Helfer hauptsächlich zahnmedizinische Hilfe im Himalaya, in 4000 bis 5000 Metern Höhe. In regelmäßigen Abständen reist er mit Helfern in die indische Region Ladakh, um dort die Amchis, so heißen die Naturärzte, bei der Zahnbehandlung zu unterstützen. Die Amchis selbst behandeln auf traditionelle Weise die Bevölkerung u.a. mit Kräutermedizin.

Auf Ihren Besuchen in Thüringen hinterlassen die vier Ladakhis pure Lebensfreude und vielfältige Eindrücke ihrer Kultur. „Wir machen nicht das, was wir wollen in Ladakh, sondern was die Einheimischen wollen.“, machte Maik Wieczorrek während der Vortrages an der VHS deutlich. Mit den Menschen ins Gespräch kommen war die erste Aufgabe vor 15 Jahren. Dabei kam der Zahnarzt auf einer Trekkingtour im Juli 2004 mit den Einheimischen in Kontakt. Seit dem entstanden nicht nur verschiedene Hilfsprojekte, sondern intensive Freundschaften. „Dort habe ich mir bei einer Gesundheitskampagne die Zahninstrumente, eigentlich nur grobe Zangen, zeigen lassen. Einzige Möglichkeit war damals nur Zähne zu entfernen, statt zu erhalten. Wir haben dann Solarbohrer in die Berge gebracht, um zu bohren und die Zähne zu versorgen.“, so der Zahnarzt mit Praxis in Wasungen. So begann die bis heute bestehende Hilfe zur Selbsthilfe. Viele seiner Patienten spenden für das Hilfsprojekt. Und sehr viel wurde bisher erreicht. Einmal im Jahr startet eine Gruppe in die karge Region mit insgesamt rund 20 000 Einwohnern und behandelt dort die Einheimischen mit Zahnproblemen. Der Verein finanziert die Mahlzeiten der Schüler in einer Dorfschule und baute auf das Dach eine Fotovoltaikanlage. Der Verein unterstützt die Naturheiler mit Geld und Material in den Dörfern sowie die Ausbildung von Mönchen. Die Liste lässt sich weiter fortsetzen und wird so bald auch kein Ende finden. „Ohne die Hilfe von Sonam Dorjay, er ist der Landrat der Region sowie Koordinator und Finanzverwalter der dortigen Amchivereinigung, und dem Lehrer und Freund Thukjay Sonam, er begleitet jeden unserer Einsätze und übersetzt die englische in die ladakhische Sprache, wäre die umfangreiche Hilfe schlicht nicht möglich.“, so Maik Wieczorrek. Die Gruppe besuchte außerdem noch das Schlittenhunderennen in Frauenwald, die Zahnarztpraxis von Maik Wieczorrek sowie die Feuerwehr und den Rettungsdienst in Gotha. Auf dem Jubiläumsprogramm stehen noch viele Besuchstermine u. a. im Suhler Klinikum und im Berufsbildungs- und Technologiezentrums der Handwerkskammer in Rohr. Wer Interesse an den Aktivitäten des Vereins hat und Land und Leute kennenlernen möchte, hat dazu während eines offenen interkulturellen abends die Gelegenheit. Am Donnerstag, den 14. Februar 2019, wird, um 19.00 Uhr, mit Gästen und Interessierten in Meiningen, im Ladengeschäft der Ernestinerstraße 18, ein Kulturabend veranstaltet.