Maik Wieczorrek zurück aus dem Himalaya

Nach drei Wochen Projekteinsatz ist der Meininger Zahnarzt Maik Wieczorrek wieder gesund aus dem indischen Himalaya, dem Bundesstaat Jammu und Kaschmir zurückgekehrt. Für den von ihm initiierten Himalaya Hilfsverein „Ladakhpartners-Partnership Local Doctors e.V.“ war er dort im Februar unterwegs. Die Winter auf dem Dach der Welt sind sehr kalt. Die Lebensbedingungen nicht mit denen der Sommermonate vergleichbar. Schon die An-und Abreise ist ein Lotteriespiel. Mittlerweile war der Zahnarzt das zehnte Mal in der Region. Zum dritten Mal im Winter. „Und so war auch in diesem Februar Flexibilität gefragt. Die globale Klimaerwärmung führt gerade in Regionen, die den geringsten Beitrag dazu leisten, zu existentiellen Veränderungen für Mensch und Tier. So war in den Bergen rund um Ladakh bis Februar der Schneefall komplett ausgeblieben. Eine Katastrophe, da dies zu akutem Wassermangel auf den Feldern der Bauern führen wird. Der einzige Verbindungsweg in unsere Dörfer und den Amchis ist im Winter der zugefrorene Fluss Chaddar. Er führte aber zu wenig Wasser und friert nicht mehr zu. Er wird so noch gefährlicher als er ohnehin schon ist“, erzählt Maik Wieczorrek. Während seines Aufenthaltes kam ein 12-jähriges Mädchen auf dem Weg zur Schule ums Leben. Gemeinsam mit einer Mitschülerin war sie in das Eis des Flusses eingebrochen. Während ihre Freundin gerettet werden konnte, wurde sie unter das Eis geschwemmt. Nach der Bergung wurde sie in Leh, der größten Stadt in Ladakh, beerdigt. Nicht einmal die Eltern konnten dabei sein weil der Fluss nicht entsprechend zugefroren war. Da Wieczorrek nun nicht wie geplant die Dörfer aufsuchen konnte, blieb ihm nur die Möglichkeit den Aufenthalt in Leh zu nutzen.

„Zusammen mit dem Projektkoordinator und Landrat vor Ort, Sonam Dorjay, beschlossen wir den Deputy Commissioner, eine Art Chefin der Regionalverwaltung, von Leh aufzusuchen und das Gespräch mit ihr zu führen. Auny Lavasa war auch bereit uns zu empfangen. Wir überreichten einen Brief, der unserer Absichten erläuterte, was vor allem den prophylaktischen zahnärztlichen Bereich und die Zusammenarbeit mit den Amchis thematisierte. Dazu erläuterten wir ihr die Entstehungsgeschichte von Tunu, unserem Murmeltier und demonstrierten unsere zahnärztlichen Rolltafeln. Unser Konzept schien einen positiven Eindruck zu hinterlassen und wir übergaben die Tafeln, Postkarten und die Handpuppe Tunu in der Hoffnung, dass sie weitere Verbreitung in Ladakh finden“, so Wieczorrek. Die Stoffpuppen wurden eigens von einem Sonneberger Unternehmen hergestellt.

 Weiterhin hatte der Meininger Vereinsvorsitzende das Glück mit einer jungen Zahnärztin in Leh zusammenzuarbeiten. Die Zahnärztin hat in Delhi studiert und kam nun zurück in die kleine Himalayastadt. „Es sind Begegnungen von unschätzbarem Wert, wenn man sich ein breitgefächertes Bild machen will von der Situation vor Ort. So hat sie mit einfachsten Mitteln die Patienten sehr gut behandelt und zwar so, dass es für die dortige Situation angemessen und sinnvoll war. Natürlich ist hier nicht alles vergleichbar mit unseren deutschen Maßstäben aber die Grundlagen der Zahnmedizin sind überall gleich“, freut sich Wieczorrek.

Eine weitere Station der Winterreise war der Ort Khaltsi, 80 km westlich von Leh, im Industal gelegen. Dort gibt es eine Schule in die Kinder aus den Dörfern zum Unterreicht gehen. Von Dezember bis März ist wegen des Winters eigentlich Ferienzeit in Ladakh. Weil das aber eine sehr lange Zeit ist, gibt es private Initiative, die mit Spendengeldern einen Winterunterricht anbieten. Mit dem Geld eines Partnervereins, den Friends of Linghsed aus Graz in Österreich, und einem Essenzuschuss des Meininger Hilfsvereins konnte der Unterricht für etwa 30 Kinder und fünf Lehrer für sechs Wochen organisiert werden. „So bekommen die Kinder Unterricht in Bodyik (Muttersprache), Englisch, Mathematik, Biologie, Geographie und Buddhistischer Religion. In diesem Jahr standen noch drei Stunden Unterricht in Mundhygiene und gesunder Ernährung mit Tunu und mir auf dem Programm. Insgesamt habe ich drei Tage mit den Kindern und den Lehrern auf dem Campus verbracht. Eine Erfahrung der besonderen Art, so zu leben, wie die Lehrer, die oft aus weit entfernten Orten kommen und hier für Monate getrennt von ihren Familien leben“, berichtet reisende Zahnarzt.

Der Meininger hat außerdem Vorbereitungen für die nächste Reise des Himalaya-Hilfsvereins getroffen. Die nächste Gruppe wird in diesem Sommer nach Ladakh reisen und hat zahlreiche Aufgaben im Gepäck. Zum Beispiel werden 90 Kinder der Schule im Bergdorf Lingshed von der Hilfe aus Meiningen profitieren. Weil die Regierung das Geld für die Essensversorgung der Internatskinder der Schule kürzte, sprang der Verein mit einer Geldspende ein, um die Kinder mit Nahrung zu versorgen. Die Eltern selbst sind nicht in der Lage das Geld aufzubringen. Eine weitere Unterstützung für Schulkinder ist der geplante Ausbau eines etwa einen Kilometer langen Gebirgsweges, von dem Ort Dibling nach Lingshed. Der Weg in den Schulstandort mit rund 400 Einwohnern ist lebensgefährlich. Der Meininger Verein wird dafür 6000,- Euro aufbringen.

„Nach drei Wochen war ich dann auch wieder froh in der Heimat bei meiner Familie zu sein, denn mein eigentliches Leben findet ja hier statt. Dafür bin ich sehr dankbar. Eigentlich habe ich einfach nur Glück gehabt in diesem Teil der Erde geboren zu sein“, so Wieczorrek abschließend. Weitere Informationen sind unter www.ladakhpartners.de zu finden.